
CHRONIK
1225 Jahre (777 – 2002)
Untererthal
An der Schwelle zum 3. Jahrtausend
Verfasser: Herbert Naß, 2002
Die Untererthaler Karnevalsgesellschaft (UKG)
Früher spielte sich in der Fastnacht, wie man die Faschingszeit im Fränkischen nennt, in Untererthal nicht allzu viel ab. Es kam immer darauf an, dass einer die Sache in die Hand nahm und organisierte. So existiert eine Aufnahme aus dem Jahr 1921, die zeigt, dass man durchaus auch auf einem Dorf die Fastnacht recht fröhlich begehen kann. Freilich, am stärksten wurde nach den beiden Weltkriegen gefeiert, denn in den schweren Kriegsjahren waren solche Lustbarkeiten verboten.
Schon seit Mitte Januar gab es öfter Bälle. Getanzt wurde in beiden Gaststätten, meist abwechselnd. Besondere Bedeutung hatte der Ball des Fußballvereins – der Dorfklatsch sah in ihm vielfach den Ort der künftigen Brautpaare. Es spielten stets die Untererthaler Musikanten zum Tanz auf, manchmal auch eine Kapelle aus Reith.
Am Faschingsdienstag in den Nachmittagsstunden herrschte ein reges Narrentreiben. Statt eines Prinzenpaares zog ein „Brautpaar“ in einem reich geschmückten Wagen durch die Straßen. Zwei Burschen trugen ein Schild voraus mit der Aufschrift „Wer uns getraut, der gehört verhaut“. Ein weiteres Plakat, das hinterher getragen wurde, empfahl den Dienst der Hebamme. Nebenher liefen die Kinder. Der Zug bewegte sich durchs ganze Dorf und hielt beim Laufmann L. Fischer, welcher Bonbons und andere kleine Geschenke an die Kinder verteilte (Fasching 1950).
Doch auf die Dauer konnten die Faschingsveranstaltungen nicht der bloßen Improvisation überlassen bleiben. Deshalb haben sich 1962 Leute mit Ideen zusammengefunden, um mit viel Mühe und Fleiß recht ansehnliche Wagen für die Umzüge am Faschingsdienstag zusammenzustellen. Diese wurden bald in der ganzen Umgebung bekannt und zogen viel Publikum an. Später fanden diese Umzüge auch am Faschingssonntag statt, dabei beteiligte man sich auch an den Umzügen in Hammelburg. Zu den Aktivitäten dieser etwa um 1962 gegründeten Untererthaler Karnevals-Gesellschaft gehörten Kappenabende und kleinere Sitzungen im Gasthaus „Zum goldenen Kreuz“. Doch litten all diese Veranstaltungen, vor allem die Prunksitzungen im kleinen Rahmen, unter den beengten räumlichen Verhältnissen. Gardemädchen hatten für ihre Tänze kaum Platz und stellten nur schmückendes Beiwerk für eine Veranstaltung dar. Aber sehen lassen konnte sich das Programm einer Sitzung auch schon damals, und so manche Veranstaltung musste, weil nicht alle Interessenten Einlass fanden, sogar wiederholt werden.
Einen starken Aufschwung nahm der Verein Anfang der siebziger Jahre. Selbstbewusst gab man sich eine Vorstandschaft. Otto Dittrich und Walter Fischer nahmen die Geschicke des Vereins in die Hand. Man erweiterte das Angebot an die Mitglieder auch über die Faschingszeit hinaus. So wurde vor allem das Gemeinschaftsleben intensiviert, man legte Wert auf Geselligkeit, veranstaltete Preisschafkopf - Wettbewerbe und nahm sich der Aufstellung des Maibaums an.
Die ersten Sitzungen in diesen Jahren leitete Franz Weidling und drückte ihnen als Präsident mit Witz und Humor seinen Stempel auf. Sein Nachfolger wurde 1976 Manfred Herzog. In diesem Jahr bot die UKG mit Renate und Armin Stolz erstmalig ein Prinzenpaar auf. Gerade die Prinzenpaare bedeuteten aber auch in den Jahren danach eine Bereicherung der Prunksitzungen. 1977 gaben Kreszenzia und Otto Schipper der Veranstaltung das Gepräge. Auch die „Untererthaler Hofsänger“ (Männergesangverein) waren damals mit von der Partie. 1978 feierte man als Notbehelf ein lustiges Faschingstreiben in der noch im Rohbau befindlichen Erthal-halle. Aber schon ein Jahr später gab es dort, als die Halle inzwischen fertig war, eine große Premiere. Mit dem Prinzenpaar Margot und Günter Seitz und vor allem einer von Ingrid Zwickl und Gudrun Gläser völlig neu aufgebauten Garde erfuhr die Punksitzung im Stadtteil einen Bombenerfolg. Als Gastvereine wirkten 1979 „Blau-Weiß Elfershausen“ und die „Burkardröther Fosenöchter“ mit, zu denen man freundschaftliche Beziehungen geknüpft hatte. 1980 wurden diese Beziehungen erweitert und die HA-KA-GE aus Hammelburg sowie die „Oberdöllwer Fosenochtsgesellschaft“ als Gäste gewonnen. Höhepunkt der Faschingssession war auch 1980 wieder die Prunksitzung in der Erthal-halle mit Dr. Rudolf Emmerich und Ehefrau Christl als Prinzenpaar.
Im gleichen Jahr verlieh die UKG erstmals einen eigenen Hausorden, einen Faschingsnarren nach eigenem Entwurf. Außerdem wurde der Verein in diesem Jahr Mitglied im Bund Deutscher Karneval, Landesverband Franken. Auch einen Vorstandswechsel gab es 1980: Manfred Herzog steuert seitdem den Verein als erster Vorsitzender und als Präsident mit Zielstrebigkeit und Geschick.
Eine weitere Steigerung der Aktivitäten bot man dem Publikum, das die Erthal-Halle wieder bis zum letzten Platz füllte, in der Prunksitzung 1981. Mit viel Liebe und Ausdauer hatte Helma Leitschuh dazu ein hübsches Kinderballett einstudiert und die Kinder auch selbst eingekleidet. Der Elferrat trug an diesem Abend die erst einige Monate zuvor erworbenen roten Jacken sowie neue Mützen. Zum Jahresende konnten die rührigen Karnevalisten ihren zweiten Hausorden, ein stilisiertes Wappen des Vereins, das schon 1979 als Vereinssymbol entstanden war, vorstellen.
In der Würdigung der Leistungen der UKG, deren Vorstandschaft schon hohe Auszeichnungen vom Landesverband erhalten hat, darf das uneigennützige Wirken der Gesellschaft im Zusammenspiel der Ortsvereine nicht fehlen. So widmet man sich schon seit Jahren mit Erfolg dem Kinderfasching und weiß auch die Senioren des Stadtteils zu unterhalten. Mit dem „Eieressen“ am Freitag nach Aschermittwoch oder dem Maibaumaufstellen auf dem Dorfplatz werden alte Bräuche gepflegt. Auch beim Bau der Erthal-Halle war die UKG mit zahlreichen Arbeitsstunden entsprechend beteiligt und trägt als Mitglied des Vereinsrings auch heute noch anteilige Verantwortung.
Feierte die UKG 1982 mit Barbara und Hans Dieter Herter noch eine rauschende Faschingszeit, ruhten von 1983 und 1987 alle Aktivitäten des Vereins vollkommen. Erst mit einer neuen Vorstandschaft, angeführt von Klaus Lutz, gab es wieder einen Neuanfang. So wurden zunächst 1988 und 1989 nur Faschingstänze sowie der Kinderfasching angeboten, die Garden wurden neu aufgestellt, eine Kindergarde kam hinzu. Alle Gardemädchen wurden mit neuen Kostümen eingekleidet.
1990 wagte man sich dann erstmals wieder an die Aufführung einer Prunksitzung in der Erthal-Halle, für Karl Karg als Sitzungspräsident ebenfalls ein Neuanfang. Zwar fiel 1991 der gesamt Fasching wie überall in Deutschland, so auch in Untererthal komplett dem Golfkrieg zum Opfer, doch feierte die UKG im nächsten Jahr zum Ausgleich das 30jährige Bestehen mit großem Aufwand. Manfred Herzog wurde dabei auf Grund seiner großen Verdienste zum Ehrenpräsidenten ernannt.
1993 startete man zu einer Premiere mit einer Kinderprunksitzung, der weitere in den Jahren 1995 und 1998 folgen sollten. 1994 schloss sich die UKG der Förderation Europäischer Narren (FEN) an. Im gleichen Jahr wurde Helma Leitschuh in Anerkennung ihres außergewöhnlichen Engagements um die Garden über viele Jahre hinweg zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.
1996 nahmen 20 aktive aus der UKG am ersten Europäischen Narrentreffen in Prag teil. 1997 machte ein Eisregen der Narrenschar beinahe wieder einen Strich durch ihr Faschingsprogramm. In diesem Jahr fand auch der vorläufig letzte Umzug der Narren durch Untererthal statt. Dafür trösteten sich die Narren der UKG mit der endlich geglückten Bereitstellung eines neuen Domizils, das ihnen in der alten Schule zur Verfügung gestellt werden konnte, um ihre Dekoration und die Kostüme sicher aufzubewahren.
Eine große Prunksitzung und bereits am nächsten Tag eine gelungene Kinderprunksitzung, das waren die Höhepunkte des Faschings 1998. Im Jahr darauf gab es erneut eine Premiere mit dem Auftritt des Tanzmariechens Denise Wüscher. Seit September 1999 ist die UKG im Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragen.
Die Vorstandswahlen in diesem Jahr brachten folgendes Ergebnis:
1. Vorsitzender und Gesellschaftspräsident: Klaus Lutz
2. Vorsitzender und Sitzungspräsident: Karl Karg
1. Kassiererin: Simone Koch
2. Kassiererin: Evelyn Hillenbrand
1. Schriftführerin: Katja Helm-Ebert
2. Schriftführerin: Bergith Meder
Im Jahr 2000 gingen gleich zwei Prunksitzungen in der Erthal-Halle über die Bühne, beide waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Die Mehrzahl der Beiträge dieser Veranstaltung wurde mit eigenen Kräften bestritten. Im Jahr 2002 kann die UKG ihr 40jähriges Bestehen feiern. Im August 2000 zählte sie stattliche 227 Mitglieder, davon sind mehr als 80 zu den Aktiven des Vereins zu rechnen.
Innerhalb der hat sich die UKG zu einer festen Größe entwickelt. Sie unterstützt immer wieder die Sporthallengesellschaft mit Veranstaltungen und trägt damit zum Unterhalt der Erthal-Halle bei. Unterstützung leistet die UKG aber auch sonst während des Jahres bei Fahnenparaden, kirchlichen Anlässen, der Kirchweih oder bei Beatabenden. Die Erfolge der Garden haben Untererthal weit über die Grenzen des Ortes hinaus in ganz Franken bekannt gemacht.
- hn -
Quelle: Aufzeichnungen und Unterlagen der UKG, zur Verfügung gestellt von Klaus Lutz.
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